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Kennzeichen der Bundeswehr [nach oben]

Zusammen mit den zivilen Kennzeichen waren im Jahr 1956 auch die Kennzeichen der Bundeswehr eingeführt worden. Deren Unterscheidungszeichen lautet "Y".

Die Maße der Kennzeichenschilder entsprechen denen der Standard-Vorgaben (i. d. R. 520 x 110 mm für ein normales einzeiliges Schild), hinsichtlich des äußeren Erscheinungsbildes gibt es jedoch einige Abweichungen von den gängigen Fahrzeug-Kennzeichenschildern: So sind die Platinen der Bundeswehr-Kennzeichen aus taktischen Absichten immer nicht-reflektierend und am linken Rand-Bereich der Schilder befindet sich die deutsche Flagge (Farbenfolge: Schwarz – Rot – Gold).
Nähere Einzelheiten zu den Vorschriften der Ausführung der Kennzeichen sind hier zu finden.

Gespann der Bundeswehr, bestehend aus LKW und Ein-Achs-Anhänger (Sichtung auf der BAB 38 in Thüringen im Jahr 2015)

 

Warum eigentlich "Y"? [nach oben]

Zu der Frage, warum Bundeswehr-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen "Y" tragen, möchte ich einen Ausschnitt aus einem Artikel der tz zitieren:

Dafür steht das "Y" bei Bundeswehr-Fahrzeugen wirklich

Für die vielen Fahrzeuge der Bundeswehr brauchte man im Gründungsjahr 1955 einen passenden Buchstaben für das Kennzeichen. Allerdings waren alle infrage kommenden Kombinationen wie BW bereits vergeben.

Und so wich die Bundeswehr auf den Buchstaben "Y" aus. Denn keine größere deutsche Stadt beginnt mit diesem. Somit war das "Y" frei für die Militärfahrzeuge. Zur Auswahl stand auch noch das "X", allerdings entschied sich Brigadegeneral Kurt Vogel dagegen. Das "X" wird aber mittlerweile von NATO-Fahrzeugen verwendet.

Quelle: Wissen Sie, was das Y-Kennzeichen tatsächlich bedeutet? (tz, 06.12.2019)

 

Zuständige Zulassungsbehörde [nach oben]

Bereits seit einigen Jahrzehnten wird der Bundeswehr-Fuhrpark zentral verwaltet. Zuständig dafür ist seit dem 1. April 2018 das Zentrum Kraftfahrwesen der Bundeswehr mit Sitz in Mönchengladbach-Rheindahlen. Zuvor war von 1956 bis 2012 die Zentrale Militärkraftfahrstelle (ZMK) am selben Standort die zuständige Zulassungsbehörde für alle Dienstfahrzeuge der Bundeswehr.

Im Jahr 2013 war das Zentrum Kraftfahrwesen im Zuge einer Umstrukturierung der Bundeswehr neu geschaffen worden und als Abteilung dem Logistikkommando der Bundeswehr mit Sitz in Erfurt angegliedert worden. Die Aufgaben der Fahrzeugzulassung waren jedoch auch zu dieser Zeit von Mönchengladbach aus zentral wahrgenommen worden.

 

Siegel und Sicherheitsmerkmale [nach oben]

Die Y-Kennzeichen aus den 1950er sowie 1960er Jahren trugen Dienstsiegel in Form von Bakelit-Plaketten oder später auch silbernen bzw. weißen Klebeplaketten, auf denen die jeweilige Bundeswehr-Zulassungsstelle vermerkt war.

Dieses Y-Kennzeichen ist ein sehr altes Exemplar aus den 1950er Jahren. Interessant sind das Bakelit-Siegel und die Tatsache, dass das Schild nicht geprägt, sondern bedruckt wurde! (Privatsammlung)

 

Nahaufnahmen des oben gezeigten Bundeswehr-Kennzeichens


Die Tatsache, dass die Zulassung der Bundeswehr-Dienstfahrzeuge inzwischen seit einigen Jahrzehnten zentral erfolgt, schlägt sich auch auf den Dienstsiegeln der "Y"-Kennzeichen nieder: Diese tragen aktuell den Bundesadler und die Umschrift "BUNDESWEHR ZULASSUNGSSTELLE". Das Siegel wird in die Schilder eingebrannt, ein Ablösen ist dadurch unmöglich. Die Entwertung ungültig gewordener Bundeswehr-Kennzeichenschilder erfolgt durch Einfärbung und Zerschneiden!

Weiteres fälschungssicheres Sicherheitsmerkmal: Auf der Rückseite jeder aktuellen Bundeswehr-Kennzeichenplatine befindet sich eine nochmalige kleine Einstanzung des Bundeswehr-Siegels!

Dies ist ein aktuelles Bundeswehr-Kennzeichenschild, wie es auch heute noch Verwendung findet.

 

Ein genauerer Blick auf die beiden Seiten des Schildes offenbart zum einen das rückseitig eingeprägte Bundeswehr-Siegel und zum anderen die eingebrannte Zulassungsplakette auf der Vorderseite.


Die Schriftart, in der die Nummernschilder geprägt werden, ist immer die DIN1451, d. h. auch nach Einführung der neuen EURO-Kennzeichen blieben die altbewährten Regelungen für die Gestaltung von Bundeswehr-Kennzeichenschildern erhalten.

HU-Prüfplaketten werden auf "Y"-Schilder grundsätzlich nicht geklebt, da das Untersuchungsverfahren der Bundeswehr-Fahrzeuge intern geregelt und vollzogen wird. Ein Nachweis der erfolgreichen Überprüfung ist somit nicht nötig.

 

Kennzeichen-Ausführungen [nach oben]

Gesetzliche Vorgaben [nach oben]

Neben den standardmäßigen einzeiligen Y-Kennzeichen in einer Länge von 520 mm x 110 mm gibt es eine Reihe von Sonderformaten, die in der Anlage 4 Abschnitt 3 Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV) ausführlich beschrieben sind:

 

Abschnitt 3
Kennzeichen der Bundeswehr
 
1. Leichtkrafträder und Kleinkrafträder

1.1 Leichtkrafträder und Kleinkrafträder



1.2 Kleinkrafträder



2. andere Krafträder



3. andere Kraftfahrzeuge und Anhänger – einzeilig



4. andere Kraftfahrzeuge und Anhänger – zweizeilig



5. Ergänzungsbestimmungen

Wird die Ziffer „1“ verwendet oder enthält eine Zeile weniger Ziffern als die entsprechende Zeile des Musters, so vergrößern sich die Abstände zwischen den Ziffern der Zeile gleichmäßig. Die Farbtöne des Untergrundes, des Randes und der Beschriftung sind dem Farbregister RAL 840 HR zu entnehmen, und zwar für schwarz RAL 9005 und weiß RAL 9001. Als Farbtöne sind bei den Bundesfarben zu wählen für schwarz: RAL 9005, für rot: RAL 3002 und für gold: RAL 1006. Bei Kennzeichen nach Nummer 3 werden die letzten drei Ziffern von den vorhergehenden Ziffern durch einen Gruppenabstand in dreifacher Größe des normalen Abstandes getrennt.

 

Traktoren [nach oben]

Traktoren der Bundeswehr erhalten in der Regel Kennzeichen in dem auch für zivil genutzte land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge gängigen Größenformat. In der Anlage 4 Abschnitt 3 FZV unter Punkt 1.1 wird dieses Format für Leichtkraft- und Kleinkrafträder aufgeführt.

Traktor der Bundeswehr mit Kennzeichen im Leicht-/Kleinkraftrad-Format (Sichtung in Rostock im Jahr 2007)

 

Kleinkrafträder [nach oben]

Neben den gängigen einzeiligen und zweizeiligen Y-Kennzeichen für PKW, LKW, Panzer und sonstige Fahrzeuge, die regelmäßig eine aus sechs Ziffern bestehende Zahlenfolge tragen, gibt es auch Kennzeichen für Kleinkrafträder und Mofas mit fünfstelliger Erkennungsnummer:

Im Kleinstformat wurden Bundeswehr-Kennzeichen auch für Mofas zugeteilt. (Privatsammlung)

 

Repräsentative Kennzeichen mit einstelliger Ziffernfolge [nach oben]

Auch Bundeswehr-Kennzeichen mit einstelliger Erkennungsnummer existieren. So lautet das repräsentative Kennzeichen des Generalinspekteurs der deutschen Bundeswehr "Y-1":

Dienstfahrzeug des Generalinspekteurs der Bundeswehr (Sichtung in Berlin im Jahr 2019, Christian Pfaff)


Weitere einstellige "Y"-Kennzeichen wie "Y-2" oder "Y-6" sind bekannt. Diese werden vermutlich für die Dienstfahrzeuge der Inspekteure der Bundeswehr und anderer Repräsentanten ausgegeben.

 

Y-Kennzeichen mit dreistelliger Ziffernfolge [nach oben]

Bundeswehr-Kennzeichen mit lediglich dreistelliger Ziffernfolge nach dem Trennstrich werden vor allem in den USA und Kanada für dort zur Ausbildung und Kontaktpflege stationierte Dienstfahrzeuge genutzt:

Bundeswehr-Kennzeichen mit dreistelliger Erkennungsnummer (Privatsammlung)

 

Bundeswehr-Kennzeichen mit dreistelliger Erkennungsnummer (Privatsammlung)

 

Y-Kennzeichen für Elektrofahrzeuge [nach oben]

Das am 26. September 2015 in Deutschland eingeführte E-Kennzeichen wurde auch von der Bundeswehr für deren Elektro- bzw. Plugin-Hybrid-Fahrzeuge übernommen.

Besonderheiten bei diesen Y-E-Kennzeichen sind die grundsätzlich nur fünfstellige Erkennungsnummer sowie das offensichtlich stets in fetter Engschrift geprägte "E". Zumindest ist das "E" bei den bisher bekannten Sichtungen derartiger Fahrzeuge stets eng geprägt.

Toyota Prius IV Hybrid mit Bundeswehr-E-Kennzeichen (Sichtung in Halle/Saale im Jahr 2019)

 

Rote Kennzeichen [nach oben]

Bei der Bundeswehr werden auch verschiedene rote Kennzeichen verwendet, die nach dem Unterscheidungszeichen "Y" eine in der Regel fünfstellige Ziffernfolge tragen, die mit folgenden Ziffern begann bzw. beginnt:

04 für Probefahrt- und Überführungszwecke (mittlerweile ersetzt durch 06)
05 für Sachverständige, Prüfer und wehrtechnische Dienststellen
06 für Probefahrt- und Überführungszwecke
07 für Oldtimer beim Militärhistorischen Museum der Bundeswehr

 

Oldtimer der Bundeswehr mit rotem "Y-07"-Kennzeichen (Sichtung in Dresden, Kristian B.)

 

Klebe-Kennzeichen [nach oben]

Für bestimmte Arten von Sonderfahrzeugen, die baulich bedingt keine Verschraubung eines herkömmlichen Aluminium-Kennzeichens zulassen, gibt die Bundeswehr auch Klebe-Kennzeichen aus. Diese verfügen wie die herkömmlichen Y-Kennzeichen ebenfalls über das aufgedruckte Dienstsiegel

Sonderfahrzeug der Bundeswehr mit geklebtem Kennzeichen (Sichtung in Dresden im Jahr 2016)

 

 

Kennzeichen der NATO [nach oben]

Fahrzeuge der NATO-Hauptquartiere erhalten seit dem 1. März 1967 Kennzeichen mit dem Unterscheidungszeichen "X", woraufhin eine aus vier Ziffern bestehende Zahl folgt.

Diese Schilder sind auf normalen Platinen geprägt, tragen wie "Y"-Nummernschilder ausschließlich die DIN-Schrift, haben aber keine Deutschland-Flagge auf der Platine und reflektieren mittlerweile häufig.
Außerdem wird für diese Fahrzeuge die Prüfplakette der Hauptuntersuchung (HU) auf das heckseitig befestigte Kennzeichenschild geklebt.

Kennzeichen eines Fahrzeugs der NATO-Hauptquartiere

 

Kennzeichen eines Fahrzeugs der NATO-Hauptquartiere

 

Dienstfahrzeug der NATO-Hauptquartiere mit X-Kennzeichen (Quelle: VEBEG)


Ein weiteres gemeinsames Merkmal mit den heutigen "Y"-Nummernschildern: Das einheitliche Zulassungssiegel "BUNDESWEHR ZULASSUNGSSTELLE" mit Bundesadler, das auf der Vorderseite eingebrannt und auf der Rückseite eingestanzt wird.

 

 


Rechtsgrundlagen [nach oben]

§ 8 Absatz 1 Satz 6 Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV): Zuteilung von Kennzeichen

(1) Die Zulassungsbehörde teilt dem Fahrzeug ein Kennzeichen zu, um eine Identifizierung des Halters zu ermöglichen. Das Kennzeichen besteht aus einem Unterscheidungszeichen (ein bis drei Buchstaben) für den Verwaltungsbezirk, in dem das Fahrzeug zugelassen ist, und einer auf das einzelne Fahrzeug bezogenen Erkennungsnummer. Die Zeichenkombination der Erkennungsnummer sowie die Kombination aus Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummer dürfen nicht gegen die guten Sitten verstoßen. Die Erkennungsnummer bestimmt sich nach Anlage 2. Das für die Zuteilung vorgesehene Kennzeichen ist dem Antragsteller auf Wunsch vor der Zuteilung mitzuteilen. Fahrzeuge der Bundes- und Landesorgane, der Bundesministerien, der Bundesfinanzverwaltung, der Bundespolizei, der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, der Bundeswehr, des Diplomatischen Corps und bevorrechtigter Internationaler Organisationen können besondere Kennzeichen nach Anlage 3 erhalten; die Erkennungsnummern dieser Fahrzeuge bestehen nur aus Zahlen; die Zahlen dürfen nicht mehr als sechs Stellen haben.

 

Anlage 3 Nummer 1 zu § 8 Absatz 1 Satz 6 FZV

1. Unterscheidungszeichen Bund

[...]

Y Dienstfahrzeuge der Bundeswehr
(Zentrale Militärkraftfahrtstelle – ZMK, Hardter Straße 9, 41179 Mönchengladbach/Rheindahlen)
X Dienstfahrzeuge der auf Grund des Nordatlantikvertrages errichteten internationalen militärischen Hauptquartiere, die ihren regelmäßigen Standort im Inland haben
(Zentrale Militärkraftfahrtstelle – ZMK, Hardter Straße 9, 41179 Mönchengladbach/Rheindahlen)